Rudolf Seeliger

Quelle: Archiv

* 12. November 1886 München 
† 20. Januar 1965 Greifswald
Vater: Universitätsprofessor
Konfession: evangelisch

Das Realgymnasium besuchte Seeliger in München. Nach der Reifeprüfung studierte er ab 1906 an den Universitäten Tübingen, Heidelberg und München Physik und Mathematik. Seine 1909 in München eingereichte Dissertation zur Leitung von Elektrizität in dichten Gasen wurde mit einem Preis ausgezeichnet. Er setzte seine Studien ab 1910 in Würzburg fort, wo er von seinem Mentor Wilhelm Wien als Privatassistent beschäftigt wurde. 1912 trat Seeliger eine Stelle als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter an der Physikalisch-technischen Reichsanstalt an und wurde 1915 an der Universität Berlin habilitiert. Danach erhielt Seeliger eine meteorologische Ausbildung und leistete dann bis 1917 als freiwilliger Vizefeldwebel Kriegsdienst beim Reichswetterdienst. Unter anderem leitete er eine Feldwetterstation, später war er bei der Luftschifferersatzabteilung 2 (Hannover) eingesetzt. 1917 wurde Seeliger an die 1916 gegründete Kaiser-Wilhelm-Stiftung für kriegstechnische Wissenschaft in die Abteilung III kommandiert (Leitung: Walter Nernst). Im August 1918 wurde er als außerordentlicher Professor für Theoretische Physik an die Universität Greifswald berufen. Die Beförderung zum persönlichen ordentlichen Professor folgte 1921, nachdem Seeliger einen Ruf an die Karls-Universität Prag abgelehnt hatte. Seit 1932 war er Direktor des Seminars für theoretische Physik, forschte jedoch weiterhin zu Fragen der Gasphysik und bearbeitete Industrieaufträge. Mit Kriegsbeginn 1939 profilierte Seeliger das Institut für Physik zum Rüstungsbetrieb. Die Industriekontakte wurden erneuert und durch Aufträge der Luftwaffe und der Marine ergänzt. In der Nachfolge Friedrich Krügers wurde Seeliger zum Institutsdirektor ernannt. Er erhielt jetzt eine planmäßige ordentliche Professur für Experimentalphysik. Wenige Tage nach der Besetzung Greifswalds durch die Rote Armee wurde das Physikalische Institut geplündert. Ab 1946 wurden Seeliger und seine Mitarbeiter von den sowjetischen Besatzungsbehörden für militärische Forschungen herangezogen. Da Seeliger als unbelastet galt, erhielt er 1946 wieder eine Professur mit Lehrstuhl und wurde nach der Verhaftung Ernst Lohmeyers im Februar 1946 zum Rektor ernannt. Die Amtsführung wurde von der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern außerordentlich kritisch bewertet, zumal Seeliger der Meinung war, dass Sozialismus „nicht durchführbar“ sei und er glaube, „dass eine dauernde Unfreiheit durch das heutige Regime begründet“ werde. Mit Unterstützung seines Schülers Robert Rompe, der in der Deutschen Zentralverwaltung eine Schlüsselposition auf dem Gebiet der Wissenschaftspolitik einnahm, übernahm er 1949 die Leitung einer Forschungsstelle der Akademie der Wissenschaften in Greifswald, die er zum Institut für Gasentladungsphysik ausbaute. 1955 trat Seeliger in den Ruhestand.

O.: DNVP bis 1932, 1926 bis 1933 Stahlhelm; NSV; 1946 CDU, Kulturbund
Qu.: UAG PA 256 Seeliger; BA R 4901/13277 Karteikarte Seeliger; UAG K 543 (Profilierung zum Rüstungsbetrieb); Hoffmann, Dieter: „Seeliger, Rudolf Karl Hans“, in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 150-151.